Meinung & Diskussion im Netz

Es ist auf vielen Social-Media-Plattformen möglich, sich über verschiedenste
Dinge auszutauschen. Was früher auf Foren passierte, spielt sich heute auf
Facebook, Twitter und Co. Ab.

Wenn ich mir mein eigenes Nutzungsverhalten ansehe, wird mir schnell klar: ich lese
andauernd bei Diskussionen im Internet mit. Es ist einfach spannend, die verschiedenen
Gesichtspunkte aktueller Themen zu betrachten, deshalb sind auch Talk-Sendungen wie Im
Zentrum oder Pro & Contra erfolgreich. Die Produktion dieser Programme ist nicht besonders
teuer, bringen aber Quoten.

Twitter

In Österreich hat Twitter im Vergleich zu anderen Ländern eine sehr spezielle Community. In
den USA beispielsweise wird Twitter wie jedes soziale Netzwerk verwendet, während man in
Österreich von einer „Twitterblase“ spricht, die aus Journalisten, Opinion-Leaders und anderen
Leuten aus der Medien- und Politikbranche besteht. Das führt auch dazu, dass die Debatten auf
Twitter anders sind, als auf Facebook.

Die Twitter-User mit den meisten Followern in Österreich tweeten hauptsächlich über Politik,
Wirtschaft oder Gesellschaftliches, was einen Diskurs anstößt, den viele spannend mitverfolgen
und an dem jeder teilhaben kann. Das ist auch der Vorteil einer kleinen Community: es kann
fast jeder mit jedem kommunizieren. Persönliches, wie private Alltagsfotos oder Postings wie
„Heute gehe ich shoppen“ findet man kaum.

Ich selber bin gerade deshalb ein großer Fan des österreichischen Twitter, vor allem als
medienaffine Person. Ich habe davor auch sehr gerne Facebook-Kommentare unter geteilten
Zeitungsartikeln gelesen und auch ab und zu mitdiskutiert, aber das Niveau ist nicht
vergleichbar.

Es ist für mich dort auch am angenehmsten, mitzureden und das tue ich auch oft, wenn es die
Zeit erlaubt. Ich versuche gerade, aus meiner gewohnten, defensiven Rolle herauszukommen
und etwas mehr selbst zu twittern.

Facebook

Wie bereits erwähnt, war und bin ich auch viel auf Facebook unterwegs. Unter den geteilten
Links der Zeitungsartikel, bei denen oft nur die Headline gelesen wird, finden sich meist viele
Kommentare.

Das Diskussionsniveau ist unerfreulich, da es oft darin endet, dass sich beide
Parteien nur mehr beleidigen oder polemisch herabsetzen. Auch auf Seiten von
Qualitätszeitungen. Sehr oft gibt es einen politischen Clash zwischen Rechts und Links.
Viele Kommentare haben auch einen radikaleren, reißerischen Inhalt, als der typische Tweet.
Das könnte auch daran liegen, dass die Twitter-Community politisch eher links orientiert ist,
während auf Facebook alle Arten von Menschen zusammenkommen.

Diese Vielfalt an verschiedenen Menschen kann man auch als Bereicherung sehen, da sich durch die
sogenannten „Filterblasen“ ohnehin immer mehr Leute nur noch in Gruppen mit
Gleichgesinnten aufhalten und von anderen nichts mehr mitbekommen (wollen).

YouTube

Das deutschsprachige YouTube ist seit einiger Zeit wesentlich politischer, als es einmal war. Es
häufen sich Videos zu Verschwörungstheorien und (meist rechte) Video-Blogs. In den
Kommentaren von Videos mit politischem Inhalt wird hauptsächlich kontraproduktiv gestritten.

Ähnlich, aber noch seichter, wird unter Videos von YouTube-Kanälen mit weniger
anspruchsvollem Content diskutiert. Dort treiben sich immer mehr Kinder von 8-13 Jahren
herum, die sich erwartungsgemäß kindisch zanken.

Das ist der Hauptgrund, warum ich mich selbst nie an Diskussionen in den Kommentaren
beteilige.

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