Bots und die Zukunft des Journalismus

Das Bots mehr als nur einfache Ja/Nein Antworten geben können sollte spätestens durch die Berichterstattung des Washington Post Robot-Reporters Heliograf bekannt sein. Die künstliche Intelligenz hat seit ihrer Anstellung im letzten Jahr über 850 Artikel verfasst.

Von Michael Lechner

 

Der Standard hat einen, BBC hat einen, die New York Times hat einen. Bots übernehmen immer mehr Aufgaben bei denen es darum geht automatisiert Daten zu verwerten und diese in schlüssige Berichte umzuformen. Sie veröffentlichen Updates auf Social Media Accounts, schlagen Themen Aufgrund von User-Inhalten vor oder beantworten gleich selbst User Fragen. Welcher Journalist hat schon 24/7 Zeit Kommentare unter Online-Artikeln zu beantworten oder gar die übermenschliche Fähigkeit dies an mehreren Orten gleichzeitig zu tun?

Bots brauchen keinen Urlaub, höchstens Updates und Anpassungen. Sie haben keine Familie, machen keine Mittagspause und wollen auch keine Gehaltserhöhung. Die Technik ist noch in ihren Kinderschuhen und bedarf Entwicklung, was Mitte dieses Jahres auch bestätigt wurde. Ein Projekt, bei dem es darum ging Bots miteinander verhandeln zu lassen, musste von Forschern abgebrochen werden. Die Bots mit den Namen “Alice“ und “Bob“ entwickelten während der Diskussion eine eigene Sprache die von den Forschern nicht mehr nachzuvollziehen war. Eine Zielverfehlung, denn der Sinn des Projektes bestand darin die Kommunikation zwischen Bots und Menschen zu verbessern.

„We were going nuts trying to answer all these questions“

Wie es gehen kann beweist Ashok Goel, Professor für Computer Science an der Georgia Tech. Ashok Goel wurde mit dem Problem konfrontiert über 400 Studenten aus verschiedenen Ländern  online betreuen zu müssen. Die Lernvideos wurden zu unterschiedlichen Zeiten angesehen, inFolgedessen wurden bis zu 10.000 verschiedene Fragen pro Semester gestellt. Zu viele um ihnen gerecht werden zu können. Gemeinsam mit seinem Team  entwickelte er daher die digitale Studienassistentin “Jill Watson“. Auch hier kam es anfänglich zu Problemen, die jedoch durch stetige Anpassung der Software gelöst werden konnten. Bis zur Auflösung am Ende des Semesters durch Ashok Goel war den Studierenden nicht bewusst, dass es sich bei Jill Watson um einen Bot handelt.

Durch Artikel während den U.S. Wahlen generierte Heliograf 500.000 zusätzliche Klicks für die Washington Post. Was für ein solches Unternehmen in Zahlen vielleicht nicht so bedeutend ist. Wenn man aber in Betracht zieht, dass die Klicks aus Artikeln stammen für die, ohne den Bot, kein Redakteur eingeplant gewesen wäre, ist dies wiederum sehr beachtenswert. Durch den rasanten Anstieg im Bereich der Messenger – WhatsApp und Facebook Messenger haben jeweils um die 1,2 Milliarden User – wird es für Medienunternehmen zunehmend wichtiger auch auf diesen Plattformen präsent zu sein und Usern möglichst personalisierte Meldungen anzubieten. Eine Aufgabe für die Bots prädestiniert sind.

Und jetzt?

Als mögliches Schreckensszenario könnte nun der Verlust von Arbeitsplätzen durch Bots gesehen werden. Eine Art Industrialisierung des Journalismus bei der kreative Inhalte durch maschinelle Produktionen ersetzt werden. Aus einer anderen Perspektive betrachtet könnte dieses Risiko auch eine Chance beinhalten. Wenn Standardaufgaben wegfallen, bleibt mehr Zeit für komplexere Themen und Ressourcen können darauf verwendet werden Innovationen zu erzielen. Sei es in den Medien, im Haushalt oder am Arbeitsplatz. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen die Herausforderungen des Alltags leichter zu bewältigen. Was die Menschheit daraus machen wird kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Fest steht aber, durch die Weiterentwicklung und den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz wird es zu Veränderungen im sozialen Gefüge kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*