Live-Content

In den letzten beiden Jahren haben sich Plattformen, die auf Live-Schaltungen basieren, wie YouNow, Periscope oder Twitch immer mehr Beliebtheit erfreut und haben Social Media Giganten wie Facebook (und damit Instagram) sofort nachziehen lassen. Auch Zeitungen und Medienhäuser ziehen nach. Live-Content ist mittlerweile überall.

Individueller Live-Content

Teenager sitzen stundenlang vor dem Handy und schauen live streams zu, andere lassen sich online von YouNow streamen während sie alltäglichen Tätigkeiten so wie Hausaufgaben machen nachgehen, auf Twitch wird anderen beim Zocken zugesehen.

Ich selbst habe auf Periscope letztes Jahr meine ersten Live Erfahrungen gemacht und es war sowohl als Streamer, als auch als Zuseher eine äußerst seltsame Erfahrung.

Ich habe dem Stream einer voll tätowierten Frau aus Manchester verfolgt, die sich lautstark mit ihrem Partner gestritten hat. Ungefähr 1000 User haben mit mir bei der Streiterei zugesehen, Höhepunkt war als sie mit einem halb vollem Pizzakarton nach ihm geworfen hat.

Als ich mich entschlossen habe, das Livestreamen selbst mal zu probieren, hatte ich um die 100 Zuseher, manchmal mehr. Hauptsächlich Männer die mein Äußeres kommentiert haben und wollten das ich mich ausziehe. Das hat mich dann doch relativ schnell verschreckt und nicht mehr zurückkehren lassen.

Realize real lies

Grundsätzlich geht man weg von perfekt überarbeitetem, perfektionierten Content hinzu ungefiltertem Raw-Content in Echtzeit. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man von Vorneherein skeptisch ist, ob das Gesehene der Wahrheit entspricht, alles wird verschönert und verdreht, so wie man es gerade möchte. Das Bedürfnis nach Echtheit, sich auf das Gesehene verlassen zu können ist dementsprechend groß.

Auch im Journalismus, wo in den Jahren mit Begriffen wie “Fake News” “Lügenpresse” und Co um sich geworfen wird ist Live Content gegenwarts- sowie zukunftsrelevant.

Die Verlagsgruppe Handelsblatt hat diesen Sommer massiv in den Live-Journalismus – investiert und möchte neben Print und Digital hiermit ein drittes Standbein aufbauen und das Streaming von journalistischen Inhalten als Geschäftsfeld weiterentwickeln. Gabor Steingart Herausgeber des Handlesblattes meint hierzu Die Zeit des medialen Frontalunterrichts ist vorbei: Wir schalten um von analog auf Dialog.

Chancen und Herausforderungen

Ob Konferenzen, Diskussionen, Katastrophen oder Vorort Recherchen – alles wird durch Livestreaming revolutioniert. Interaktivität wird immer mehr zum Thema.

Vorteile von Live Videos sind, dass sie nicht leicht fakebar sind und wahnsinnig aktuell, während die Schwächen sind, dass sie eine stabile Internetverbindung benötigen und unvorhersehbare Dinge passieren können, die potentiell traumatisierend für manche Menschen sind.

Möglichkeiten von Live-Journalismus im Internet sind die Chance interaktiven, aktuellen Content zu produzieren, der den Zusehern ein Echtheitsgefühl vermittelt.

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