Das Nachschlagewerk zum Reinsteigern

Wikipedia ist mehr als nur eine Website. Sie ist der bisher
umfangreichste Versuch, universelles Wissen zu sammeln und für alle
zugänglich zu machen. Für mich ist es die größte Errungenschaft seit
der Erfindung des Internets.


Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist das umfangreichste Lexikon der
Welt. Mit rund 40 Millionen Artikeln in fast 300 Sprachen umfasst sie
mehr Einträge als die jahrhundertealten Nachschlagewerke Brockhaus und
Britannica zusammen. Mit mehr als einer halben Milliarden Zugriffen
pro Monat gehört sie zu den fünf am häufigsten aufgerufenen Websites
im World Wide Web. Das macht sie zu einem Massenmedium. Darüber hinaus zählt sie zu Social Media: Das auf Wikipedia verfügbare Wissen haben
Nutzer aus der ganzen Welt zusammengetragen und bearbeitet. Als
Non-Profit-Organisation finanziert sie sich nur aus Spenden und stellt
ihre Inhalte jedem unentgeltlich zur Verfügung.

Die berufliche Nutzung


All diese Informationen über Wikipedia habe ich auf Wikipedia recherchiert. Die Online-Enzyklopädie wird zwar von vielen als unseriös angesehen und darf bei wissenschaftlichen Arbeiten nicht als Quelle verwendet werden, aber für den schnellen Wissenszuwachs oder für die erste Orientierung in einem Themengebiet gibt es heutzutage kaum ein besseres Nachschlagewerk.

Bei meiner Arbeit als Journalist werde ich immer wieder mit Themen
konfrontiert, in die ich mich erst einlesen muss. Wikipedia ist dafür
ein sehr nützliches Werkzeug. Sie hilft mir, schnell Informationen zu
einem bestimmten Thema zu sammeln und mir dabei ein gewisses
Grundwissen aufzubauen. Doch sobald ich tiefer in die Materie dringen
will und dabei Aktualität eine Rolle spielt, muss ich zum nächsten
Recherche-Werkzeug greifen. Denn mehr als die „Basics“ wird man auf
Wikipedia in der Regel nicht finden.

Meine privaten Trips

Umso mehr genieße ich es, wenn ich in meiner Freizeit auf Wikipedia
lande. Meistens passiert das, weil ich aus irgendeinem Grund
irgendetwas wissen will, es auf Google eingebe und durch die
Eindringlichkeit der ersten Suchergebnisse auf Wikipedia klicke. Ich

kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt etwas
direkt ins Suchfenster bei Wikipedia eingegeben habe.

Meine privaten Wikipedia-Trips sind oft ein sehr intensives, ja fast schon ekstatisches Erlebnis. Während es passiert, bekommen ich es fast gar nicht mit. Ich merke nur, dass meine Augen immer trockener werden
und irgendwann zu brennen beginnen. Es endet meist damit, dass ich
mich plötzlich frage, wo ich hier eigentlich gelandet bin, warum ich
mich hier befinde und wie es so weit kommen konnte. Es fühlt sich an,
als wäre ich stundenlang von Hyperlink zu Hyperlink gedriftet, als
hätte mich eine endlose Spirale von blau verlinkten Wörtern immer
weiter in die unendlichen Tiefen dieser maßlosen Enzyklopädie gezogen.
Das Schlimmste daran ist, dass ich danach nicht einmal weiß, ob ich
mir von all dem Zeug überhaupt etwas gemerkt habe.

Sinnvoll war Wikipedia indes, als ich Anfang dieses Jahres für zwei
Monate durch Südamerika gereist bin. Dort habe ich die Plattform
überraschenderweise viel häufiger genutzt als in Österreich: Von
kolumbianischen Drogenbaronen bis hin zur Hochkultur der Inka habe

ich auf der Plattform alles nachgeschlagen, was ich über die Geschichte

des jeweiligen Landes wissen wollte. Auch einer der vielen
Wikipedia-Ableger, der Online-Reiseführer „Wikivoyage“, war bei dem Trip recht hilfreich.

Eine Portion Idealismus

Ich bin davon überzeugt, dass solchen durch kollektive Intelligenz
geschaffenen Wissensplattformen wie Wikipedia die Zukunft gehört.
Bereits heute hat diese Plattform etwas unschätzbar Wichtiges erreicht: Die
Demokratisierung des Wissens. Es spielt keine Rolle, in welchem Land
man lebt, welche Sprache man spricht, wie gebildet oder wie vermögend
man ist – man braucht „nur“ einen Internetanschluss und schon kann sich Wissen aneignen oder es weitergeben. Der nächste Schritt wäre eine
multimediale Aufbereitung der Wiki-Inhalte via Video, Audio,
interaktiver Grafiken, Virtual-Reality, Augmented-Reality. Damit
könnte man die unterschiedlichen Lerntypen ansprechen und jene
Menschen, die weder lesen noch schreiben können, miteinbeziehen.

Man muss aber auch nicht immer alles so ernst nehmen. Wer nach
Zerstreuung sucht kann sich auch satirischen Plattformen wie
Stupidedia oder Kamelopedia hingeben: Es ist dasselbe Prinzip
wie bei Wikipedia nur halt ohne all die blöden Fakten.

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