Best Practice: Vox

The New Media Company

Vox ist ein Onlinemedium, das den Anspruch an sich selbst stellt, die Nachrichten zu erklären. Dazu verwendet es alle vorhandenen Darstellungsformen (Text, Bild, Grafik, Video, Audio) und spielt es auf allen ihm zur Verfügung stehenden Kanälen aus (Website, Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram, Youtube, iTunes, E-Mail). Vox gehört dem gleichnamigen US-amerikanischen Medienunternehmen Vox Media und wurde 2014 von den Journalisten Ezra Klein, Matthew Yglesias, and Melissa Bell gegründet.

 

Die Gründer haben bereits vor dem Start des Mediums festgelegt: Vox ist ein Technologieunternehmen, das Medien produziert – und kein Medienunternehmen, das Technologie verwendet, um Medien zu produzieren. Dieser Ansatz – also die voranschreitende Digitalisierung nicht als Bedrohung für die Medienbranche zu sehen und ihr aus dem Weg zu gehen, sondern sich an die Spitze dieser Entwicklung zu stellen und den Wandel zu mitzugestalten – unterscheidet Vox von den konventionellen Medienhäusern, denen es große Schwierigkeiten bereitet, die neuesten Entwicklungen im Journalismus aufzugreifen und sie in ihre über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen zu implementieren.

Für diesen „an den Puls der Zeit angelehnten“ Zugang wurde Vox zunächst vonseiten der klassischen Medien stark kritisiert: Sie würden mit reißerischen Überschriften zum Klicken verleiten – ähnlich wie es Buzzfeed oder Huffington Post tun. Wenn man die Vox-Website betrachtet, ist dieser Einwand nicht unberechtigt. Auch die Typografie erinnert stark an die Schrift, mit der Bildern auf Social Media versehen werden.

Inhaltlich variieren die einzelnen Beiträge sehr stark – vom leicht verdaulichen Gossip bis hin zu gut recherchierten Polit- und Wirtschaftsgeschichten ist alles dabei. Zudem scheut Vox auch nicht davor zurück, sich ideologisch klar zu positionieren. Während des US- Präsidentschaftswahlkampfs wurden unter anderem folgende Artikel veröffentlicht: “The rise of American authoritarianism”, “Donald Trump’s success reveals a frightening weakness in American democracy“, “Donald Trump’s nomination is the first time American politics has left me truly afraid“.

Damit und mit anderen Themenschwerpunkt spricht Vox progressive, liberale und urbane Menschen im Alter von bis zu 35 Jahren an, die politisch links der Mitte stehen. In den USA ist es durchaus üblich, sich als Nachrichtenmedium für oder gegen einen politischen Kandidaten bzw. eine politische Richtung zu entscheiden und die Berichterstattung darauf auszurichten.

Im Sinne der Markenbildung ist die eben erwähnte, klare Positionierung vorteilhaft: Der Konsument weißt, was er bekommt, wenn er via Vox Nachrichten konsumiert. Doch es ist nicht die politische Ausrichtung, die Vox aktuell so erfolgreich macht: Den Anspruch, die Nachrichten zu erklären, gelingt dem Medium am besten in Form ihrer Erklärvideos, die „Explaniers“ genannt werden. Damit hat Vox den starken Trend hin zu kurzen, „social-media-fähigen“ Bewegtbildern aufgegriffen und sich in diesem Bereich schnell als Vorreiter etabliert: 2017 wurde das Medium für vier Emmys nominiert.

Hier ein Beispiel zu einer gut recherchierten Video-Geschichte im Südchinesischem Meer:

Why China is building islands in the South China Sea

China claims the islands they're building aren't military bases, but their actions say otherwise. Here's what you need to know about what the country is up to in the South China Sea.

Posted by Vox on Freitag, 17. Februar 2017

Ein hintergründiges und humorvolles Erklärvideo über die unschätzbar wichtige Rolle von Satire in unserer Gesellschaft. Sehr gut gelungen ist hier, ein aktuelles Beispiel aufzugreifen und es auf eine Meta-Ebene zu heben:

Comedians have figured out the trick to covering Trump

Late-night comedians have figured out the trick to covering President Trump, while cable news catches up.

Posted by Vox on Montag, 3. April 2017

Ein weiteres Erklärvideo zu den Hintergründen des Konflikts zwischen den USA und Nordkorea:

The North Korean nuclear threat, explained

In reality, North Korea can’t hit the US with an intercontinental ballistic missle. That’s the good news. The bad news is that they’ve been trying to build one for more than a decade.

Posted by Vox on Mittwoch, 26. April 2017

Ein Beitrag der Servie „Vox Borders“ über die Folgen der Kolonialisierung auf Haiti und der Dominikanischen Republik:

How colonialism created two worlds on one island

Haiti and the Dominican Republic may share an island. But they’re drastically different worlds. Reporter Johnny Harris traced a history of how this divide came to be, for the first episode of our newest video series, Vox Borders. | Presented by lululemon men

Posted by Vox on Dienstag, 17. Oktober 2017

Ein Ausblick der Serie „Shift Changes“, ob uns Roboter in Zukunft die Arbeitsplätze wegnehmen werden:

Why the rise of the robots won’t mean the end of work

Robots are already assisting humans in many job industries. But should we be worried about a future wave of mass-unemployment caused by AI and automation? Futurists seem to think there is cause for concern, but economists remain skeptical. Here’s why:–– Shift Change is a new series about the future of work publishing Mondays, and presented by AT&T Small Business.

Posted by Vox on Montag, 13. November 2017

Was auffällt, sind die charismatischen Moderatoren, die den Konsumenten durch einige der Videos führen. Das ist ebenfalls etwas, das Vox von vielen klassischen Medien abhebt und damit die Marke stärkt: Personalisierung. Angefangen hat es bereits mit dem aktuellen Vox-Chefredakteur und Mitbegründer Ezra Klein, der damals bei der Washington Post einen recht erfolgreichen Blog geführt hat. Diese Strategie, der Marke ein Gesicht zu geben und darüber hinaus auf Journalisten zu setzen, die auf ihrem Gebiet Experten sind und die Fähigkeiten besitzen, ihre Inhalte wirkungsstark via Video zu transportieren, ist aufgegangen. Neben dem Podcast von Ezra Klein, überzeugen auch Johnny Harris („Boarders“), Carlos Maza („Strikethrough“), Joss Fong („Shift Change“) und Elisabeth Plank („2016ish“) mit eigenen auf ihre Skills ausgerichteten Rubriken.

Fazit: Vox hat sich innerhalb von drei Jahren zu einem Vorreiter im Onlinejournalismus und Video-Content entwickelt. Gegenüber klassischen Medien hat es den Vorteil genutzt, von Beginn an auf die neuesten Entwicklungen im Journalismus und der visuellen Kommunikation zu setzen, anstatt sich auf klassische Medienformate zu verlassen. Mit einer starken Präsenz in den sozialen Medien, der Nutzung aller Content-Kanäle und seinem Anspruch auf gut recherchierte, hintergründige Beiträge, hat Vox nicht nur seine Zielgruppe erreicht, sondern sich auch innerhalb der Medienbranche etabliert. Mit dem Vertrauen auf charismatische und fachlich versierte Journalisten hat Vox einen Multiplikator geschaffen und bindet so die Konsumenten an seine Marke.

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