Warum unsere Großeltern ihr eigenes Netflix brauchen

Durch einen Nebenjob zum Thema Digitalisierung, kam ich in letzter Zeit mit vielen Menschen in Kontakt. Hauptaufgabe war es Menschen aus der ländlichen Bevölkerung darüber aufzuklären welche Chancen die Digitalisierung bietet, wie sie jetzt schon genutzt wird und wie die Welt sich dadurch in den nächsten 30-40 Jahren verändern könnte. Dabei viel mir auf, dass Scheu gegenüber dem digitalen Wandel weniger davon kommt (hier natürlich nur mit Beschränkung auf Österreich) woher Menschen sind, sondern viel mehr welcher Altersgruppe sie zugehörig sind.

Schülern aus der Unter- und Oberstufe sind viele der technischen Neuerungen die es momentan gibt, schon längst geläufig. Sie sind Digital-Natives die mit Smartphones und natürlich auch dem Internet aufgewachsen sind, sie haben keine Scheu vor künstlicher Intelligenz und sehen mögliche Veränderungen innerhalb der Gesellschaft durch die Digitalisierung eher als gegeben Faktor an.

Menschen mittleren Alters sind in ihrer Auffassung sehr unterschiedlich. Sie nutzen bereits Smartphones und das Internet, sind jedoch in ihrem Umgang mit diesen Devices oft etwas eingeschränkt. Manche sehen die Digitalisierung als Chance, die ihnen das Leben erleichtern kann, andere nehmen diese Entwicklungen eher als Bedrohungen wahr. Sie können nicht abschätzen was passieren wird, haben Angst davor von Maschinen ersetzt zu werden und davor, dass uns Maschinen eines Tages überholen und wir sie als Menschen nicht mehr kontrollieren können.

Zielgruppen kennen keine Altersbeschränkung

Bei Menschen höheren Alters zählt als erste Hürde bereits das nutzen eines Computers oder eines Smartphones. Teilweise ist es ihnen unangenehm sich nicht mit diesen Themen auszukennen, oder sie haben das Gefühl ohnehin nicht mehr mitzukommen. Auch in dieser Altersgruppe gibt es unterschiedliche Auffassungen, so würden viele Menschen sehr wohl den Umgang mit Smartphones, Tablets oder dem Internet erlernen, jedoch fehlt ihnen das Training und die dazugehörigen Trainer. Teilweise fehlt, aber auch komplett der Bezug zur Digitalisierung und auch das Verständnis für den Nutzen dahinter.

Sobald Menschen, aber Videoclips sehen die zeigen wie Digitalisierung beispielsweise in der Landwirtschaft genutzt wird um durch den Einsatz von Drohnen Schädlingsbekämpfungsmittel auf Feldern auszubringen, wird es für sie zu etwas greifbaren. Gespräche mit humanoiden Robotern werden als besonderes Erlebnis wahrgenommen, auch ein Flug über das eigene Bundesland mittels Virtual Reality Brille wirkt hier als positiver Anstoß in Richtung Digitalisierung.

Chancen für ein neues Medienformat sehe ich hier vor allem in der älteren Bevölkerungsschicht, Menschen die den Arbeitsalltag bereits hinter sich gelassen haben und nun ihre Zeit damit verbringen können gutes für sich selbst zu tun oder auch auf der Suche nach einer neuen Aufgabe für diesem Lebensabschnitt sind. Das Medienformat soll ausschließlich digital und nonlinear erscheinen. Jetzt kann natürlich die Frage aufkommen, wie gerade die Bevölkerungsschicht die am wenigsten mit der Digitalisierung umzugehen weis, Zielgruppe für ein digitales Format sein sollte.

Ruhestand On-Demand

Hier kommen die Faktoren Zeit, sowie körperliche Einschränkung und auch teilweise örtliche Gebundenheit der Zielgruppe ins Spiel. Wir reden hier von einer Bevölkerungsschicht die sich österreichweit in einem stetigen Wachstum befindet und durch medizinischen Fortschritt auch in Zukunft noch weiter ansteigen wird. Pensonistenvereine, Pensionistenheime, Rentner.

Die Umsetzung des Medienformates wird in mehreren Stufen geschehen, zunächst wird Kontakt mit Heimen und Vereinen aufgenommen um Befragungen durchzuführen die zeigen sollen für welche Inhalte sich Menschen dieser Altersgruppe interessieren. In der nächsten Stufe werden auf Basis dieser Ergebnisse Pilot-Inhalte produziert. Beiträge, Reportagen, Dokumentationen, Entertainment. Die Inhalte werden Multimedial als Text, Bild und Videoinhalte kreiert. Danach folgt ein Testscreening innerhalb der Altersgruppe, sowie eine anschließende Bewertung wie die Inhalte aufgenommen wurden. Was gut angekommmt wird ausproduziert, was schlecht ankommt, durch neue Pilot-Projekte ersetzt.

Wenn genug Inhalte produziert wurden um in die Launchphase des Medienformates zu gehen, findet eine Kampagne statt die älteren Menschen den Umgang mit neuen Medien beibringen und ihnen einen positiven Bezug zu diesen Medien geben soll. Zeitgleich geht auch die Plattform, eine Art Netflix-Informationswebsite für Menschen höheren Alters in Österreich online. Die Plattform nimmt besonderen Bezug auf die Altersgruppe, die Inhalte können jederzeit konsumiert werden. Als eine der wenigen digitalen Plattformen die sich speziell auf ältere Menschen spezialisieren kann hier eine Festigung des Konsumentenvertrauens stattfinden.

Die mediale Altersvorsorge

Zukünftige Generationen die in diese Altersgruppe hineinfallen, müssen die Hürde des Umgangs mit der Digitalisierung nicht mehr überwinden weil sie darin schon geübt sind. Durch ihr Alter ändern sich jedoch ihre Interessen, die Plattform deckt diese Interessen ab und bekommt somit Generation für Generation neue User. Auch in dieser höheren Altersgruppe werden sich über die Jahre viele Veränderungen ergeben und neue Trends entwickeln, doch wie jedes gute Medienformat wird auch dieses stets am Puls der Zeit bleiben und gemeinsam mit seinen Usern wachsen. Wie das Produkt genau aussehen wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen und Monaten. Es wird ohne Frage eine spannende Reise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*