Kendall und ihr „Peace-Pepsi“

Sie sind beleidigend, extrem laut und brauchen meist nur kleine Anlässe, um auszubrechen: Shitstorms. Durch sie werden Unternehmen an den virtuellen Pranger gestellt.

“Shitstorm”, die Zusammensetzung aus den Wörtern shit und storm, was diese bedeuten, braucht man wohl kaum übersetzen, ist ein Internet-slang Begriff, der sich auf eine Art von öffentlicher Empörung bezieht, die typischerweise auf Social-Media-Plattformen und Web-Foren zu kontroversen Diskussionsthemen beobachtet wird. Ähnlich wie bei einem Flammenkrieg wird ein Shitstorm oft von beleidigenden Interaktionen zwischen den Beteiligten begleitet.

Unternehmen werden von den Effekten sozialer Medien schnell überrollt. Dabei lässt sich eine Shitstorm-Krise sogar als Chance nutzen – wenn die richtige Einstellung vorhanden ist.

Bricht die Lawine einmal los, scheint es nur wenig Möglichkeiten zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. Doch die Heftigkeit der Reaktionen verstellt zugleich den Blick für die Chancen, die ein Shitstorm trotz allem bieten kann. So kann die – oft berechtigte – Kritik auch Anlass für Veränderungen sein. Um dieses Potenzial aber ausschöpfen zu können, brauchen Unternehmen gezielte Shitstorm-Strategien.

Ein Paradebeispiel:

Die Pepsi-Werbung Kontroverse

Zweieinhalb Minuten Glamourwelt mit den Aushängeschildern der Popkultur: Cindy Crawford, Michael Jackson, Beyoncé – dafür ist Pepsi bekannt. Einreihen wollte sich nun Kim Kardashians Halbschwester Kendall Jenner als neues Testimonial.

Im neuen Werbespot zur weltweiten Kampagne spielt das 21-jährige Model sich selbst, eingebettet in ein unübersichtliches Setting. Eine Demonstration bahnt sich an, Pepsi zeigt dabei bewusst afroamerikanische Protagonisten, eine muslimische Fotografin und Paare aus der LGBT-Community.

Die Assoziation, mit der Pepsi spielt, ist nur allzu augenscheinlich: Die Proteste um die „Black Lives Matter“-Bewegung oder jüngst der Women’s March nach Donald Trumps Inauguration als US-Präsident.

Dann folgt Jenners Popstar-Auftritt: Die Halbschwester von Kim Kardashian rennt vom Set des Fotoshootings weg, reißt sich die blonde Perücke vom Kopf und wischt sich den Lippenstift vom Mund

Jenner reiht sich nicht nur unter die Demonstranten ein, sondern sorgt mit der Gabe einer Pepsi-Dose an einen Polizisten auch noch für Frieden. „Live Bolder, Live Louder“, leuchtet es am Ende über den Bildschirm: „Lebe mutiger, lebe lauter“. Als ob eine Dose Pepsi Weltfrieden stiften würde.

Doch vor allem die Verquickung der Demonstrationsszenen, die an die realen Proteste der „Black Lives Matter“-Bewegung erinnern, erzürnten das Social Web: Pepsi versuchte offenkundig politische Proteste für seine Werbezwecke zu vereinnahmen.

Es folgte ein Shitstorm, wie er sich auf Twitter lange nicht mehr zugetragen hatte. Sogar die Tochter von Martin Luther King äußerte sich auf dem 140-Zeichen-Dienst:

Ziel verfehlt:

Pepsi entschuldigt sich – und provoziert einen erneuten Shitstorm

Manchmal ist es vielleicht wirklich besser, einfach die Klappe zu halten. Den Spot zu stoppen war die richtige Entscheidung, bei der anschließenden Entschuldigung hätte Pepsi der Twitter-Gemeinde nach hingegen besser noch einmal nachgedacht. In dem Statement des Unternehmens heißt es:

Das Unternehmen zog den Film mit Model Kendall Jenner am Mittwoch zurück und entschuldigte sich dafür. Der Spot sollte eigentlich eine „globale Botschaft der Einheit, des Friedens und des Verständnisses“ übermitteln, erklärte Pepsi. „Dieses Ziel haben wir ganz klar verfehlt, und wir entschuldigen uns dafür.“ Es sei keinesfalls die Absicht gewesen, „ein ernstes Problem auf die leichte Schulter zu nehmen“.

„Pepsi hat versucht, eine weltweite Botschaft von Einigkeit, Frieden und Verständnis zu vermitteln. Wir haben jedoch eindeutig unser Ziel verfehlt und entschuldigen uns. Wir entschuldigen uns ebenfalls bei Kendall Jenner dafür, sie in diese Position gebracht zu haben.“

Kritiker glauben, dass es auf den jüngsten Protesten über Polizeibrutalität gegen Schwarze in Amerika basiert. Es hat auch Zorn bei Menschen in anderen Ländern der Welt ausgelöst, in denen es einen andauernden politischen Konflikt gibt. Hier auch dazu ein Beispiel-Posting:

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*